Die zunehmende Verkehrsbelastung rund um Schulen und die dadurch erhöhte Gefährdung von Kindern auf Schulwegen stellt für viele Kommunen inzwischen eine große Herausforderung dar. Aber welche Möglichkeiten gibt es für Städte und Gemeinden, die Kinder ihrer Schulen dabei unterstützen, sich selbständig auf den Schulweg zu machen, wenn die Straßen vollgestopft sind mit Autos?

Schulisches Mobilitätsmanagement mit digitalen Schulwegplänen
In einem gemeinsamen Projekt der IKS Mobilitätsplanung mit der Initiative für sichere Straßen wird für die Stadt Radevormwald ein gesamtstädtisches schulisches Mobilitätsmanagement für zwei weiterführende Schulen, vier Grundschulen sowie eine Förderschule entwickelt. Ziel ist es, Schulwege systematisch zu analysieren, Konfliktlagen zu identifizieren und darauf aufbauend tragfähige, standortbezogene Maßnahmen zu entwickeln. Als wichtigen Baustein zur Erhöhung der Verkehrssicherheit werden auf schulwege.de nach und nach digitale Schulwegpläne veröffentlicht, die sichere Wege aufzeigen und wichtige Hinweise zu Gefahrenstellen sowie geeigneten Querungsmöglichkeiten geben.
Eine Besonderheit des Projekts ist das umfangreiche Beteiligungsverfahren, das gezielt unterschiedliche Perspektiven zusammenführt. Hierfür kam das digitale Umfrage-Tool zum Einsatz, das mit einer intelligenten Fragelogik und einer nahtlosen Einbindung von Kartentools für diesen Zweck zugeschnitten wurde. Dank einer intuitiven Bedienbarkeit auf allen Endgeräten haben mehr als 1.450 Personen an der Onlinebeteiligung teilgenommen. Den größten Anteil bildeten die Eltern von Schülerinnen und Schülern: rund 1.000 Eltern beteiligten sich an der Befragung. Darüber hinaus nahmen fast 300 Schülerinnen und Schüler selbst aktiv teil. Weitere 150 Personen, nutzten die öffentliche interaktive Onlinekarte, um sich zu informieren oder Hinweise zu geben. Auf dieser Karte gingen insgesamt über 250 konkrete Hinweise zu problematischen Stellen im Straßenverkehr ein. Die Teilnahmequoten lagen an den Schulen zwischen 50 % und 95 %.
Außerdem wurden mittels einer Schulweg-Clusteranalyse im Rahmen der Onlinebefragung rund 600 real genutzte Schulwege datenschutzkonform dokumentiert, so dass hochfrequentierte Schulwege im Stadtgebiet sichtbar wurden.
Analog ergänzt wurde die Beteiligung durch Planungsspaziergänge der IKS Mobilitätsplanung mit Schülerinnen und Schülern, schulstandortbezogene Workshops mit Lehrkräften, Schulleitungen und Verwaltung. Zudem wurden alle 3. und 4. Klassen analog im Klassenzimmer durch die Lehrerinnen und Lehrer zu Lieblings- und Gefahrenorten sowie der Verkehrsmittelwahl befragt.
Fazit: Nachhaltige Mehrwerte für Kommunen
Insbesondere der hohe Anteil digitaler Daten, die in der SMART Plattform übersichtlich aufbereitet und mit weiteren Analysen bspw. zu Unfällen und gefahrenen Geschwindigkeiten verknüpft werden können, eröffnet einen nachhaltigen Mehrwert. Schulwege und darauf aufbauende Schulwegpläne können einfach aktualisiert und fortgeschrieben werden. Damit wird ein häufiges Defizit vieler Kommunen adressiert, die noch mit veralteten Schulwegplänen arbeiten, obwohl sich Schülerschaften, insbesondere an Grundschulen, innerhalb weniger Jahre vollständig verändern.
Vor dem Hintergrund der geänderten Rechtslage haben zudem Schulwegepläne mit Angaben zur Frequentierung eine wesentliche Bedeutung. Die hohe Beteiligung liefert eine aussagekräftige Grundlage für spätere Maßnahmen unter Beteiligung der Ordnungs- und Straßenbaulastträger, bzw. den lokalen politischen Akteuren sein. In diesem Use Case kann dabei gezielt auf die spezifischen Rahmenbedingungen einer Mittelstadt im ländlich geprägten Raum eingegangen werden.